Die Umdeutung einer fristlosen Kündigung

Arbeitgeber, die einen eher weniger beliebten Mitarbeiter los werden wollen, stehen oft vor einem Dilemma. Das deutsche Arbeitsrecht schützt nämlich Arbeitnehmer grundsätzlich vor nicht berechtigten Beendigungen von Arbeitsverhältnissen. Das deutsche Recht misst dem Bestand des Jobs einen so hohen Stellenwert bei, dass es dem Arbeitgeber unmöglich ist, Arbeitsverhältnisse ohne weiteres und insbesondere ohne triftigen Grund zu beenden. So muss sich der Arbeitgeber heftig Gedanken machen, wenn er sich von einem Arbeitnehmer trennen will. Ihm stehen grundsätzlich zwei Wege zur Verfügung, wie er ein Arbeitsverhältnis beenden kann. Der Arbeitgeber kann zum einen eine fristlose oder auch außerordentliche Kündigung aussprechen, oder er kann ordentlich kündigen. Beide Beendigungstatbestände können vom Arbeitnehmer vor dem Arbeitsgericht auf ihre rechtliche Zulässigkeit hin untersucht werden.

Die beiden Beendigungsarten unterscheiden sich massiv. Während das Arbeitsverhältnis bei der außerordentlichen Kündigung mit sofortiger Wirkung und ohne Einhaltung irgendeiner Kündigungsfrist beendet werden kann, muss der Arbeitgeber die gesetzlichen Kündigungsfristen berücksichtigen, wenn er ordentlich kündigen will. Diese Fristen verlängern sich mit jedem Jahr der Betriebszugehörigkeit. Es ist kein Geheimnis unter Arbeitgebern, dass gerade bei einer Kündigung, von der man selber weiß, dass sie in der Begründung eher wackelig ist, abgestuft vorgegangen wird. Zunächst wird außerordentlich gekündigt. Wenn dann der Arbeitnehmer erwartungsgemäß vor das Arbeitsgericht zieht, um die Wirksamkeit der Beendigung überprüfen zu lassen, hängt das weitere Verhalten des Arbeitgebers ganz von der Einschätzung des Gerichts ab. Wird klar, dass das Gericht die fristlose Beendigung des Arbeitsvertrages nicht für gerechtfertigt hält, steht es dem Arbeitgeber frei, seine – wahrscheinlich unwirksame – außerordentliche Kündigung in eine ordentliche umzudeuten. Hilfsweise stützt er sein Verlangen demnach auf ordentliche Kündigungsgründe. Nachdem eine ordentliche Kündigung leichter zu begründen ist, kann der Arbeitgeber den Prozess also immer noch gewinnen.